Mai

Bom dia,
etwas verspaetet erreicht euch nun meine Mai-Rundmail. Seit der letzten Mail, sind wieder ein paar Wochen vergangen und es gibt Neues von der Gemeinde, den Projekten und von meinem Leben neben der Arbeit zu Berichten.
Im Mai hat die Gemeinde ihren 25. Geburtstag und den 70. Geburtstag der pansonierten Pastorin Marga Rothe gefeiert. Es wurde ein Gottesdienst zelebriert mit viel Musik, Besuchern, Torten, Blumen und vielen Glueckwuenschen. Die Pastorin Marga Rothe, die ihre ersten 9 Lebensjahre in Deutschland gelebt hat, bauchte die evangelische lutherische Gemeinde in Belem vor 25 Jahren auf, und ist deswegen sehr wichtig fuer viele Personen. Gleichzeitig kennt man Marga Rothe in ganz Amazonien, da sie sich seit 40 Jahren sehr angagiert fuer Menschenrechte und Rechte der Frauen einsetzt.
Zu Pfingsten sang der Chor, in dem ich immer noch teilnehme, im Gottedienst.
Ende Mai wurde eine grosse Demonstration gege sexuelle Gewalt an Kindern organisiert. Viele Projekte und Institutionen nahmen mit Kindern und Jugendlichen an diesem Marsch teil. So auch wir, die Paroquia Luterana, mit den Projektkindern aud der Vila da Barca und Curumim. Zusammen liefen wir, neben einem Megabus der nur aus Boxenbestand, von einem Platz zu einem anderne Platz durch die City. Waehrend des Laufes, schrien mehrere Menschenrechtler durch das Mikrofon, wie die Realtitaet vieler Kinder aussehe und was geaendert werden muesse. Zum Schluss gab es einige Praesentationen von Kindern udn Jugendlichen. Das Fernsehen war vor Ort und viele Passanten und Autofahrer schauten und hoerten sich das geschehen mit Aufmerksamkeit an - ein Erfolg. Schade fand ich, dass keine einzige Schule an der Demonstartion teilnahm. Schliesslich ist das Thema sexuelle Gwalt an Kindern sehr wichtig und es gab von der Stadt Belem sogar eine Freistellung des Unterrichts fuer diesen Tag. Doch da sieht man, wie wenig die Schulen, bzw. Lehrer an dem Leben neben dem UNterricht der Schueler interessiert sind. Es wird nicht ueber zum Teil taegliche Probelem wie sexuelle Gewalt, Missbrauch, Kinderarbeit oder Drogen oder auch Rassismus gesprochen. Falls ein Kind oder Jugendlicher in Belem nicht das Glueck hat, an einem sozilaen Projekt teil zu nehmen, erhaelt es nicht die Chance ueber diese Probeleme, die vielleicht die eigenen sind, sind reden oder Informationen zu erhalten ueber die eigenen Rechte. Es wird geschwiegen! Dies ist sehr traurig, denn oft wissen Missbrauchte Kinder gar nicht, das der Onkel, der Opa oder gar der eigene Vater gar kein Recht dazu hat. Niemand bringt diesem Kind bei sich zu wehren oder zu reklamieren!
Diese Situation versuchen wir in der Vila da Barca mit dem Projekt "Tambores da Vila" zu verbessern. So gibt es jeden Monat 3 Wochen lang Tanz -und Floetenunterricht und in der vierten Woche behandeln wir eine Woche ein Thema aus der Realitaet der Kinder. So haben wir vor der Demonstration eine Woche das Thema sexuelle Gewalt behandelt, in Form von Fragen,  Unterhaltungen, Zeichnungen und Filme. Wir sprachen ueber die Rechte der Kinder und das was Unrecht ist. Eines der schrecklichen Ergebnisse unserer Fragen war: fast jedes Kind kennt mindestens eine Person, die mit 10 Jahren schon ein Baby hat. Und die Wahrscheinlickeit, dass das Baby durch einen Missbrauch entstanden ist, ist sehr hoch.
Eine andere Geschichte von 2 Projektkindern ,die ich von dem Floetenlehrer unseres Projektes erfahren habe, hat mich auch sehr traurig gemach. Minni (8), Kaka (10) und Lulu (12) haben vor 2 Jahren an dem vorrigen Projekt der Paroquia Luteranan in der Vila da Barca teilgenommen. In dem Projekt gab es viele Gespraeche mit den Kindrn und Sozialpaedagogen. Aus diesen Gespraechen wurde deutlich, das der Vater dieser Kinder stark drogenabhaengig ist, die Mutter prostituiert sich in dem Haus der Familie. Damals hat die Sozialpaedagogin des Projektes es geschafft, das alle drei Kinder zumindest in die Schule gehen und in Projekt gehen koennen. Heute 2 Jahre spaeter. Kommen nur noch Minni und Kaka in  unser Projekt und dies auch nur unregelmaessig, ungepflegt und mit einem starken Uringeruch. Lulu kommt nicht mehr udn es ist stark zu befuerchten, das sie nun auch schon in der Prostitutionsszene ist. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch das Minni und Kaka zum einen sehr vernachlaessigt werden, nicht mehr zur Schule gehen und unter sexulem Missbrauch leiden.
Diese Geschichte hat mich sehr beschaeftigt und schockiert. Natuerlich wusste ich schon vorher, das es sehr viele Faelle dieser in Belem gibt. Aber es ist doch etwas anderes, wenn man die Kinder persoenlich kennt, sie in sein Herz geschlossen hat und schon einen Hausbesuch abgestattet hat und die aermlichen Verhaeltnisse direkt vor Augen hat. Was passiert mit diesem "Fall"? Natuerlich haben wir darueber in unserer woechentlichen Sitzung gesprochen und eigentlich ist klar, das man diesen Fall melden muss, doch an dieser Stelle hat unser Projekt meiner Meinung nach eine Luecke, den der Floetenlehrer, der die engste Beziehung zu den Kindern hat, fuehlt sich ueberfordert den Fall zu melden, er fuehlt sich allein gelassen. Unser Projektleiter erstickt fast in Arbeit, da er vier Projekte koordinieren soll. So gibt es dem Floetenlehrer eine Nummer. Doch bis jetzt oegert er dort anzurufen, denn a) weiss er zwar was zu Hause be den Kindern abgeht, wie jedoch soll es dies beweisen? sehr wahrscheinlich werden die Kinder nichts aussagen, wegen der Angst der Eltern und irgendwo wollen sie auch beschuetzten, schliesslich sind es die Eltern. b) was ist wenn wirklich eine Massnahme getroffen wird? Ins Geafengnis kommen die Eltern nicht. Mit Sicherheit wollen sie sich an uns raechen. Dies ist einfach. Wir sind jeden Nachmittag mitten in ihrem Barrio und arbeiten mit den Kindern.
Meiner Meinung nach fehlt es dem Projekt zum einen an Fuehrung und Sicherheit, zum anderen ist es wirklich schwierig eine Anzeige zu machen und dann wirklich Erfolg haben, das  die Situation sich verbessert. Und wisst ihr warum? Da diese Faelle zu 1000 in Belem vor kommen, es ist kein Skandal mehr, es ist ALLTAG..diese Faelle zeigen kein riesen Interesse im Gericht oder der Fall wird beseite gelegt bis man Zeit findet. In dieser Zeit bleibt das Kind in der gleichen, schrecklichen Situation.Und an dieser Stelle steigt mir ein Gefuehl der Verzweiflung in meine Kehle. Warum gibt es denn das Projekt? Sind wir so machtlos? Was koennen wir denn dann ueberhaupt Verbessern?
Natuerlich weiss ich, das wir den Kindern schon viel damit geben, jeden Nachmittag eine Beschaeftigung fuer sie zu haben, ihnen Faehigkeiten bei zubringen, mit ihnen zu spielen, sie zu umarmen und ihnen ihre Rechte mit auf den Weg zu geben. Toll waere es wenn wir ihnen so viele Werte vermittln koenneten, das sie spater nicht in die Drogenszene oder die Prostitution einsteigen und auch keine Alkoholiker werden, sondern ihren Schulabschluss machen und wissen, das Bildung ihre Zukunft ist. Dies sind vielleicht sehr vertraeumte Wuensche, doch vielleicht gelingt es ja bei dem einen oder anderen..
Am 22.5 gab es ein Fest fuer die Vila von unserem Projekt, das zentrale Thema war sexueller Missbrauch. Wieder sprachen viele Menschrechtler durch das lauteingestellte Mikrofon ueber die Situation  viele Kinder und wie die Zukunft aussehen muesse! Iaca und eine andere Tangruppe fuehrten Taenze auf. Dieses mal schauten unsere Projektkinder nur zu, doch schon Ende Juni werden sie sich mit der Floete und im regionalen Tanz praestentieren. Denn nun laufen die Oficinas sehr gut. Jeden Nachmittag kommen 15 - 20 Kinder und ueben fleissig fuer die Auffuehrung. Nach dem Wechsel des Tanzlehrer findet nun so gut wie jeden Nachmittag der Unterricht statt.

Im Icui machte unser Maskottchen "Goenk" eine Weltreise und so lernten die Kinder alle 7 Kontinente und derren Menschen, Essen und Sprachen kennen. Wie viel davon haengen bleibt, weiss man natuerlich nicht, aber beim letzten Zusammentreffen, als wir eine Quizrunde machten, wussten sie zumindest noch 50% aller Fragen zu beantworten.
Im Mai gab es ein Bazar fuer den ICUI. Die Uebriggebliebenen Klamotten und Toepfe sowie Taschen von dem Bazar in der Gemeinde (und es ist viiiiel uebrig geblieben) verkauften wir im ICUI fuer 10, 20. 30, 50 centavos und 1 reais. Nur das die Kinder jeweils 5 Reais in Papiergeld bekamen und kein echtes Geld brauchten. So wurde unter lauten Gebruell der Marktverkauufer ( wir Voluntaere) innerhalb einer halben Stunde alles verkauft. So kehrten wir mit einem guten Gefuehl, schneller als gedacht zurueck zur Paroquia.
Im Juni wird unser Oberthema im ICUI die Weltmeisterschaft - copa de mundo- sein! Hier spielen alle naemlich schon ganz verrueckt, es werden Strassen bemalt, gelanden geknuepft ud an jeder Ecke kann man ein Trikot kaufen. Auch ich freue mich schon langsam auf die WM , ich kenne sogar eine andere deutsche vom Capoeira mit der ich Sonntag den hoffentlichen Sieg befeiern kann =)
Eigentlich hatte ich vor, noch etwas mehr ueber die Problematik im Icui zu schreiben, da ich nun aber schon sehr ausfuehrlich ueber die Vila geschrieben habe, belasse ich es diesemal bei dem und werde in der naechsten Mail etwas ueber die Korruption der Polizeit, die Kinderarbeit, die Diebstehle, das Schulsystem und den Hunger schreiben. Denn je laenger man in diesem Land ist, desto mehr sieht, fuehlt und versteht man die Probleme, Zusammenhaenge und Folgen.

Nun noch ein bisschen zu meinem Privat leben.. Nach 2 Monaten Belem PUR, bin ich mit Delphine, der Voluntaerin aus der Schweiz, fuer 3 Tage ans Meer nach Maruda gefahren, dort hat eine bekannte deutsche, die schon 40 Jahre in Brasilien wohnt, ein wunderschoenes Haus. Es waren 3 Tage voller Schlaf, Wanderungen am Strand, tolles Fruehstueck, Haengematte und faszinierende "Sternschnuppen" im Wasser (Leuchtalgen). Das letzte verlaengerte Wochenende war ich noch einmal dort mit Carlos, meinem Freunde, wieder sehr relaxt =) Unsere Beziehung indet jetzt nur noch aussrhalb der Gemeinde statt, die hat meine Situation mit der Pastorin verbassert und ich bin viel mehr in meiner Freizeit ausshalb der Gemeinde, was mir auch sehr gut tut.
Vor 2 Wochen war Mano Chao in der Stadt und wir durften fuer nur schlappe 10 Euro an seinem Konzert rocken. Hat sehr viel Spass gemacht, da fast alle Bekannte und |Freunde dort waren.

Tja und nun beginnen die Junispiele in Belem, das sind ganz ganz gaaaang schoen lustige Taenze zu lustiger Musik. Letztes Wochenende habeich schon ein kleinen Vorgeschmack bekommen. Und die WM beginnt Freitag...ein Monat voller Feste erwartet mich, natuerlich auch Arbeit, jedoch wird diese flach liegen, wenn Brasilien spielt, dann geht naemlich nichts mehr in Belem alles wird still stehen.. hat auch mal was ;)

Ich mache nun einen Kurs, 3 mal unter der Woche abends, ueber das Sozialwesen und die POlitik in Amazonine und Brasilien. Zwar muss ich den Kurz machen ( die Pastorin wollte das so) aber ich schreibe diese Neuheit unster meinem Privatleben, da ich sehr fuer freude an demKurs habe. Ich verstehe fast alles, lerne viel und die Leute sind auch sehr nett. Also eine Bereicherung.
Also mache ich nur noch einmal die Woche Capoeira, dies ist jedoch wahrscheinlich auch besser so, in Anbetracht meiner Knie, die immer noch schmerzen. Gut... ueber meine Figur rede ich jetzt nicht.. die wuerd sich sichelrich freuen ...;)



Soooo nun die allerletzte Infos : Mama und Papa kommen mich fuer 8 tage ab 1.7 besuchen, cool! Und:

Am 23.7.2010 um 17.00 komme ich in Hamburg an! Noch 7 Wochen Belem, unglaublich!

Ich wuensche euch einen schoenen Juni mit ganz viel Sonnenschein  und druecke euch gan herzlich!

Abracos Annika