Eine ausführliche Vorstellung meiner Arbeit

was heisst ICUI und IACA ???

Boa tarde  ihr Lieben,

nun ist schon wieder ein Monat vergangen und es ist Zeit,  etwas von mir hören zu lassen =) Ende September. Bei den meisten von euch beginnt es jetzt herbstlich zu werden. Wind.Regen.Bunte Blätter. Eine Phase des Jahres, die ich dieses Jahr überspringen werde.  Hier zeigt sich noch keine Veränderung des Wetters auf.  Sonne und Hitze, Hitze, Hitze. Mit Glück ein wenig Wind und seit den letzten 2 Wochen vermehrt kurzer Sturzregen am Nachmittag. Das sind bestimmt schon die Vorboten der Regenzeit, die hier im Dezember beginnt.  Aber ich aklimatisiere mich zumindest ein kleines bisschen (vielleicht auch nur Einbildung) und bin ausserdem „knacke-braun“.

In den letzten 4 Wochen ist wieder viel passiert in meinem neuen Leben hier in Amazonien und dies nicht nur bei meiner Arbeit. Jedoch werde ich anfangen über diesen Teil zu berichten, da ich bis jetzt noch so gut wie nichts von meiner Arbeit, der Gemeinde und meinen Tätigkeitsfeldern beschrieben habe.  Da ich nicht in einem Projekt arbeite, zu dem ich jeden Tag für eine gewisse Stundenanzahl hingehe, sondern die „Paroquia“ mehrere Projekte in verschiedenen Stadteilen und Gemeindeleben hat, ist meine Arbeit etwas komplexer. Aber gut, ich fange am besten direkt mal an, damit mein Bericht nicht wieder so mega lang wird =) :

Insgesamt hat die Paroquia de  Confissao Luterana em Belem (kurz PECLB), meine Kirchengemeinde, 3 Sozialprojekte ( ICUI und IACA und Vila da Barca) von denen momentan 2 am laufen sind und das dritte sich in der Vorbereitungsphase befindet.  Die drei Projekte befinden sich unter der Direktion der AMU (Associacao Murure), dies ist eine Gemeinschaft aus Gemeindemitgliedern, dem  Leiter aller Projekte in der Gemeinde (Pericles)  und der Pastorin(Cibele Kuss).  Murure ist hier in Amazonien auch eine Pflanze die am Ufer des Amazonas wächst und die Eigenschaft hat, das Wasser von der Verschmutzung zu reinigen. So ist auch das Ziel der Projekte, einen Teil der Armut, Ungerechtigkeit und Verwahrlosung der Menschen hier „zu bereinigen“.

 

Icui ist ein kleiner Stadtteil von Ananindeua, der Nachbarstadt von Belém. Icui hat die klassischen Problembezüge der Urbanisation. Viele Bewohner in Icui lebten noch vor kurzer oder längerer Zeit im Inland (sog. Interio). Diese Familien zogen nach Icui um sich eine bessere Zukunft in der Stadt Belém zu erhoffen. Das vorherrschende soziale Problem ist vor allem der Mangel an wichtigen infrastrukturellen Dingen (Polizeiposten, Gesundheitsposten, Schulen) oder zum Teil gar das Fehlen elementarer Dinge. Die Menschen dort, wohnen zum groessten Teil in Häusern die aus ein paar zusammen genagelten Brettern bestehen. Es gibt kein fliessend Wasser und  es gehört  zu der täglichen Aufgabe, groessten teils der Mütter und Kinder,  Wasser aus einem Brunnen nach Hause zu tragen.   Wir, das heisst Johanna (schweizer Projektassistentin & WG-Mitglied), Adrian (schweizer Zivi), Steffanie (deutsche Praktikantin fuer 3 Monate), Eunice ( brasilianisches Gemeindemitglied) und ich, werden jeden Mittwochmorgen von Carlos ( dem Mann der Pastorin Cibele Kuss) mit einem grossen, weissen Bulli, in den von uns eine dreiviertel Stunde entfernten ICUI gefahren. Die Kirchengemeinde hat dort ein Haus und ein offenes Rondal, unter dem wir uns mit den Kindern, die zwischen 2 und 14 Jahren alt sind, treffen.  Dort gibt es dann 2 Stunden  lang ein vorbereitetes Programm für sie. Am Anfang wird gemeinsam gesungen  und sich begruesst, dann folgt der Erzählteil, entweder eine  Legende aus Amazonien (hier gibt es wahnsinnig viele Legenden) oder eine biblische Geschichte. Meistens unterstreicht der erzählte Teil ein Thema für den jeweiligen Mittwoch.  So verbindet sich der folgende Aktivität  thematisch mit dem Erzählten.   An einem Mittwoch haben wir eine Legende von hier erzählt, in dem es um einen Jungen im Urwald geht, daraufhin haben wir  später darüber geredet was eine Pflanze braucht und 3 Blumen auf dem Gelände gemeinsam mit den Kindern geplanzt. Im September haben wir die Mosesgeschichte in vier Teilen erzählt und sie mit dem Thema „Rechte und Pflichten der Kinder“ verbunden. Zwischen dem erzähl –und  aktiven Teil, verteilen wir Essen. Meist nur eine Packung Popkorn, ein Pudding oder ein Orange. Aber dieser Teil ist sehr wichtigt für die Kinder, weil sie im ICUI manchmal auch mit Hunger leben müssen und sie wissen, dass sie von uns etwas bekommen. So gibt es mit Sicherheit das eine oder andere Kind, was nur wegen dem Essen kommt. Doch bei uns gilt die Regel,  wer Essen bekommt macht auch an der Aktivitaet mit. Wir würden gerne gesünderes Essen vorbreiten, doch auch die Paroquia hat nicht sehr viel Geld für dieses Projekt und so sind uns praktisch die Hände gebunden. Aber ich denke, besser wenig als gar nichts.  Zum Schluss der 2 Stunden im Icui machen wir ein Kreis spielen noch eins, zwei Spiele, beten gemeinsam und beenden das Programm mit dem Vater Unser , welches hier wirklich jedes Kind kann. Für mich ist es eine interessante und erfüllende Arbeit in den Icui zu fahren. Ich sehe viel Armut, aber auch die Freude der Kinder  über unser Kommen. Du wirst von jedem Kind„Tia“ (Tante) genannt( sehr üblich in Brasilien) und das eine oder andere Kind holt sich seine fehlende Kuscheleinheit bei dir ab. Schade finde ich, dass das was wir mit den Kindern machen oder was sie gelernt haben nur für den Moment oder den Tag ist. Fast immer haben sie vergessen, wenn wir die darauf folgende Woche wieder kommen, was wir das letzte Mal gemacht haben. Aber so ist Brasilien,  ein Leben im JETZT, nicht langfristig. Ein anderes Problem aus meiner Sicht ist, dass wir fast nur Ausländer im ICUI sind und es so manchmal zu sprachlichen Schwierigkeiten kommt. Ich hoffe, dass bald noch ein Brasilaner zu uns stösst, doch es ist nicht so einfach einen Freiwilligen zu finden, der diese Arbeit macht ohne Bezahlung, denn auch dafuer ist kein Geld vorhanden.

Iaca, dieses Projekt entstand selber aus der „Paroquia Luterana Belem“(PECLB)  heraus und ist aktiv im Stadtteil Pedreira von Belem, wo auch die Kirchengemeinde selber ihren Sitz hat. Allgemein kann man sagen, dass die Paroquia sehr bemüht ist die traditionellen und kluturellen Wuzeln von Amazonien zu pflegen udn aufrecht zuhalten. Dieses sieht man auf dem ersten Blick, wenn man den Baustil der Kirche betrachtet (Indio-Baustiel) und an dem Projekt Iaca. Iaça ist eine folkloristische Gruppe, welche die amazonische Kultur und „fast vergessene“ Legenden der Indianer, in Tänzen interpretiert (z.B. Carimbo). Mit regelmässigen Aufführungen in Belém,  hat die Gruppe im Laufe der Zeit einen professionellen Charakter erhalten. Iaca hat normalerweise 3 Gruppen. Da sind zum einen die Kinder Curumim (5-12 Jahre), die Jugendlichen und Erwachsenen, welche zum Teil noch Anfänger sind und die Profis. Die Profis von Iaca( 12 Jugendliche im Alter von 14-20 Jahren) sind momentan fuer 2 Monate und 12 Tage mit der Kinderkulturkaravane in der Schweiz und Deutschland unterwegs. Letzte Woche waren sie in Hamburg und Mama, Papa, Oma, Jana und ihre Mutter haben sie bei einem Aufrtitt gesehen. Ich habe mich total darüber gefreut, dass dieses Treffen zu stande kam. Da nun auch ein paar Menschen aus meiner Heimat sich vorstellen können, mit was für Menschen ich hier zusammen arbeite, wohne und Dinge erlebe. Bis die Reisegruppe wieder kommt gibt es nur eine Gruppe für Jugendliche und Erwachsene, die 2 mal die Woche abends trainiert. Seit August auch mit mir. Es sind wirklich vollkommen andere Bewegungen und Rhytmen im Gegensatz zu der Musik in den Diskotheken in Deutschland, aber mir gefällt es und ich lerne langsam dazu. Einmal in der Woche kommt die Musikgruppe von IACA zur  Tanzgruppe dazu. Mit Live-Musik macht das Tanzen dann noch mehr Spass. Auch Curumim trifft sich 2 mal in der Woche am Nachmittag. Momentan tanzen sie mit Larissa ( eine 16-jaehrige Brasilianerin aus dem Stadtteil Pedreira) einmal die Woche donnerstags einfache kulturelle Tänze. Meine Aufgabe dort ist es dann zu schauen, dass die Kinder nicht zu viel Blöddsinn machen und ich tanze auch dort mit. Etwas einfacher für mich.  Dienstags beschäftigen Adrian, ich und seit neusten auch eine Jugendliche aus der IACA-Gruppe Curumim. So haben wir für den September und Oktober das Thema „Rhytmus“ gewählt.  Bis jetzt haben die Kinder Rhytmusnoten lesen und klatschen  gelernt, natürlich alles auf spielerischer Ebene. Die Kinder haben wahnsinnig kleine Konzentrationsfähigkeit , sodass wir nur minimale, richtige „Lern-Phasen“ in unser Programm einbauen. Seit dem letzten Mal, probieren wir für die Aufführung der Rückkehr von der Reisegruppe IACA im Oktober  hinzuarbeiten. Dazu soll ein Tanz zu Rhytmen und ein kleines Rhytmuslied mit selbstgebastelten Instrumenten gehören. Mal schauen, was dabei rauskommt.  Mir macht die Vorbereitung und Durchführung von Curumim wirklich Spass, meine volle Kreativität ist dort gefragt. Aber ich muss auch sagen, dass die Durchführung wirklich manchmal anstrengend und kräfteaufreibend ist, doch ich glaube,  ich war in dem „Curumin-Alter“ nicht anders. ;)

 Villa da Barca, ist ein Stadtteil von Belém, in dem die Menschen am Flussufer der Bahia da Guayara, in Pfahlbauhäuser leben. Das „nichtvorhanden sein“ einer Kanalisation, veranlasst die Bewohner ihren ganzen Hausmüll aus dem Fenster zu werfen, welcher dann unmittelbar unter ihren Häuser liegt und vor sich hinmodert. Ein Problemherd für Krankheiten und unsauberes Wasser, das die Bewohner für ihren Alltag gebrauchen. Momentan befindet sich der Stadtteil aus „Pfahlhäusern“ im Umbruch. Der Staat hat dort ein Bauprojekt veranlasst, bei dem nach und nach, in einer Zeitspanne von 5 Jahren, alle Pfahlhäuser abzureissen sind und dafür Steinhäuser zu bauen. Jedoch bekommt nur diejenige Familie eine Wohnung in den Häusern, die vorweisen kann, dass sie länger als 25 Jahre in der Vila da Barca wohnt. Anderenfalls bekommt die Familie nur eine gewisse Summe an Geld und muss ich woanders nach einem  Platz zum Wohnen umgucken. Ich finde diese Regelung ziemlich krass, da vielen Menschen ihr zu hause und Heimat genommen wird. Auch das Pfahlhaus der Kirchengemeinde wurde schon abgerissen. Das traurige an dem Bauprojekt ist, dass diese scheinbare „Verbesserung“ der Lebensverhältnisse nicht primär den Bewohnern sondern dem Tourismus dienen soll. Denn der Stadtteil Vila da Barca hat einen Ruf von der „dunklen und schlechten“ Seite von Belem.Das vorwiegende soziale Problem der Vila da Barca ist, dass die Kinder keine familiären Strukturen haben, da deren Eltern  oft entweder im Drogenmillieu tätig sind, oder sich prostituieren. Demzufolge ist die Gewaltrate und die Kriminalität relativ hoch. Zehn Prozent der Kinder gehen nicht zur Schule, die Hälfte von ihnen wegen Kinderarbeit. Schon seit vielen Jahren setzt sich die PCELB, vor Ort, in Form von verschiedenen Projekten für Kinder und Jugendliche ein. Im  Juni ist das letztes Projekt ausgelaufen. Ein neues Projekt startet im November, es wird von einer brasilianischen Bank finanziert, und ist für 2 Jahre geplant.  Das Ziel des Projektes ist, langfristig Kinderarbeit und sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen. Das Projekt startet mit einem vielseitigen Programm für  das Erlernen oder die Verfestigung traditioneller und kulturellen Wuzeln. Durch  Workshops für Kinder und Jugendliche, bei denen sie  kulturelle Tänze , malen, singen oder musizieren lernen können, erhofft man sich einen  stabile Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen und dadurch zur ganzen Familie aufbauen zu können.  Ist dies geschafft, sollen „Oficinas“  für die Erwachsenen angeboten werden, in denen sie Fähigkeiten erlernen, um eine richtige Arbeit ausüben zu können. Mit dem Ziel aus dem Teufelskreis der Kriminalität und Prostitution heraus treten zu können. Auch wird versucht Gesprächskreise auf zubauen, in denen über die in dem Stadtviertel herrschende sexuelle Gewalt geredet werden soll. Das sind natürlich Ziele, die auf dem Blatt Papier leicht zu lesen sind, jedoch die Umsetzung  sehr, sehr kompliziert wird.  Ich werde nur den ersten Teil, nämlich der Workshops für Kinder und Jugendliche, mitbekommen. Dort  werde ich aber keine Gruppe leiten, sondern nur mithelfen. Hier sind  professionelle Leute gefragt. Aber angesichts meiner Aufgaben im Icui und Cururmim, finde ich es sogar ganz gut „nur“ eine helfende Hand in den Workshops zu sein. Bis November bekommt die Kirchengemeinde auch ein neues Haus von der Stadt in der Vila da Barca zu Verfügung gestellt. Momentan hat die Kirchengemeinden nur eine Raum in dem Stadtviertel, in dem sich jeden Abend ca. 25 Kinder von 4 bis 17 jahren treffen und „Break Dance Moves“ ( oder wie soll ich das am besten beschreiben?) üben. Ich bin schon öfters Freitag am frühren Abend mit Johanna  zum zuschauen in die Vila da Barca gefahre und es hat mich bis jetzt immer wieder umgehauen,  was die  Kinder, vorallem die Kleinsten schon alles drauf haben.  Die Gruppe hat in Belem ab und an Aufführungen und hat sogar schon ein Preis bei einem Tunier gewonnen. Das stärkt die Motivation und das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen enorm. Toll, an der Gruppe finde ich, dass  die Jüngsten der Gruppe nicht zur Seite gedrängt werden, sondern sich führsorglich um sie gekümmert wird, und sie ihren Platz in der Gruppe haben. Zweimal die Woche treffen sich in dem selben Raum  die „Grupo Mulheres“(alle über 60 Jahre), um  über Themen zu reden und traditionelle Tänze ein zu üben. Ich war erst einmal dort zum Zuschauen.  Es ist ein wunderbares und süsses Bild wie diese alten Frauen  die gleichen Tänze versuchen zu tanzen wie die IACA-Gruppe in meiner Kirchengemeinde.  Die Frauen waren total offen mir gegnüber und haben mich zum Ende des Treffens  mit auf die Tanzfläche gezogen um mit ihnen zu tanzen. =) Ich war an dem Morgen in der Vila da Barca, da momentan Umfragen zur  soziales und kulturellen Struktur bei den ältesten des Stadtteils durchgeführt werden. Diese Untersuchung ist wichtig für das kommende Projekt im November.(z.B.:„Was ist von der Kultur Amazoniens noch vorhanden?“)

 

Dann gibt es schliesslich noch das Gemeindeleben, wobei ich dieses heute nicht ins Detail beschreiben werde, da der Bericht sonst wirklich zu lang werden würde. Ein ander mal. Neben den Projekten gibt es viele, viele „Reunaons“ (Sitzungen), in denen es um Planungen geht, wie z.Bsp. Kindergottesdienste, Programmbesprechungen der Projekte, kommende neue „Intercambistas“ usw. . Neben dem „Culto“ sonntags  (den ich auch ein ander Mal näher beschreiben werde), bietet die Kirchengemeinde viele andere Treffen und Aktivitäten am Wochenende an, wie z.B. ein Abend, bei dem über  „Negros“ gesprochen wird , eine Spagetthi-Nacht , Abende  bei denen IACA-Auftritt , Bibelgesprächskreis und Yogakurse. Die Paroquia hat einen Chor, den ich, auch wenn er nur aus 4 Mitgliedern und der Chorleiterin besteht, sehr schätze und gern habe. Momentan üben wir Lieder ein für den 31.10. .  Cool ist, dass ich manche Lieder von der Melodie her dem Deutschen kenne. So werden wir zum Beispiel an der Aufführung das Lied „Danket, dank, danket dem Herr“ (Ich weiss leider nicht wie der Titel heisst) im Kanon zweisprachig singen. Ich fühle mich weiterhin wohl und gut aufgehoben in der Gemeinde.

Vor 2 Wochen war ich mit Adrian und Pericles ( Projektleiter der Paroquia) auf einer 3-tägigen  Konferrenz über Rechte für Kinder und Jugendlichen. Die Konferrenz  war ganz in der Nähe von unserem Haus in einem riesigen Konferrenzgebäude, welches auch als Messe genutzt wird. Und das Beste: alles klimatisiert =) Für mich war die Konferrenz spannend. Ich habe zwar nur die Hälfte verstanden, aber es war schon toll so viele Deligierte und Jugendliche (insgesammt 800) zu sehen, die sich auf dieses Thema konzentrieren. Es gab Podiumdiskussionen, wobei es  oft heiss her ging zwischen Politikern und Jugendlichen. Dort wurde ich übrigens das erste mal auf Hitler, von einem Mann vor uns in der Reihe , angesprochen. Er sprach aber so viel und schnell darüber mit uns, dass ich so gut wie nichts verstanden habe. Morgen bin ich mit Steffi ( eine Sozialstudentin, die für 3 Monate  hier ein Praktikum macht) in dem selben Konferrenzgebäude, dann geht es um „Aids und Religion“.

Im Grossen und Ganzen bin ich mit meiner Arbeit ziemlich zufrieden.Ich lerne verschiedene Projekte kennen, in ihrer Aufbauphase oder Durchführung. Auch bekomme ich schon sehr viel Freiraum für die Gestaltung und Leitung.  Jedoch könnte ich mir noch etwas mehr praktische Arbeit mit Kindern Vorstellen. Deshalb werde ich , wenn alles klappt, bis zum November(Start des Projektes in der Villa da Barca) noch ein Praktikum an 3 Vormittagen in der Woche ausserhalb der Kirchengemeinde machen. Von dem Praktikum erhoffe ich mir, einen Einblick in ein anderes Sozialprojekt mit Kindern und Jugendlichen  und das mein momentan lernendes Portugiesisch mehr gefördert wird.  Da ich viel mit Johanna und Adrian zusammen arbeite und wir uns auch gleichzeitig eine Wohnung teilen, habe ich nämlich schon das Gefühl, das mein Portugiesisch manchamal ein wenig zu kurz kommt. Ich spreche danndoch mehr deutsch als ich eigentlich will. Ich bin gespannt auf morgen Vormittag, denn da habe ich das Gespräch  mit dem Leiter einer Institution, zu der Kinder und Jugendliche kommen können, die sexuelle Gwalt erfahren haben. Entweder ich werde dort ein Praktikum machen oder  der Leiter wird mich an eine Partnerorganisation weiterleiten, in der ich arbeiten kann. Also, dazu mehr  imnächsten Monat.                 So , der Bericht über meine momentante Arbeit sei nun beendet.

Wenn die Arbeit geschafft ist..Samba, Strände, Wellen..

..nicht immer, aber es kann vor kommen ;)

Mein Leben zwischen und neben meiner Arbeit..

Vor ziemlich genau 4 Wochen bin ich von meiner Familie  in die WG gezogen. Ich wurde dort  sehr lieb mit einem  Willkommensbild und weisser Schokolade empfangen. Aber eigentlich war der Umzug für mich nicht wirklich eine grosse Umstellung, da ich tagsüber mit Johanna schon viel Zeit dort verbracht hatte, kochen, schlafen..sein. Trotzdem war es echt ein schönes Gefühl mochmal besonders empfangen  zu werde. Ich wohne jetzt mit Johanna  (Schweizerin, Projektassistentin, 29) in einem Zimmer. Und Adrian (Schweizer, Zivi, 25) ist unser Zimmernachbar. Ich bin sehr zufrieden mit der WG, wenn man davon absieht, dass es manchmal zu Sticheleien unserer Sprache kommt (es gibt nämlich doch noch ziemlich viele Wortunterschiede in den Sprachen), verstehen wir uns sehr gut. Mit mir ist dann auch gleich noch ein ungebetender Gast in das Haus gezogen: eine Rate. Irgendwie schafft sie es jede Nacht sich ein neues Loch durch die Moskitonetzfenster(Unsere Fensterläden sind immer auf und Glasfenster hat das Haus  nicht) zu machen und um sich in unserer Küche nach belieben Essen zu verschaffen. Bei dieser schlauen Ratte nützt auch kein Gift und so werden wir wahrscheinlich innerhalb der nächsten Tage stolze Besitzer einer Babykatze, die uns Maleni ( die Hausmeisterin) geben kann. Aiaiai, da bin ich mal gespannt. Sie ist auf jeden Fall nicht grau wie Püschi sondern schwarz, so viel weiss ich schon.  Ein Vorteil, das unser Arbeitsplatz am Wohnort liegt ist, dass wir jeden Mittag von 12.00 bis 15.00 Pause machen können und gemeinsam kochen, aufräumen und abwasche. Es ist sogar ein kleines Schläfchen drin. Das ist bei der Hitze hier manchmal wirklich nötig. Jeder von mag gerne kochen und so haben wir jeden Mittag ein  leckeres und gesundes Essena uf dem Tisch. Und eher unbrasilianisch. Es gibt nur 1-2 mal die Woche Fleich und viel, viel Gemüse. Ich würde fast behaupten, dass  ich hier gesünder  esse als in Deutschland. Das ist aber auch notwendig.Auch wenn ich jetzt bei IACA mit tanze und zur Tanzschule gehe, fehlt mir doch die tägliche Bewegung. Ich bin zu Hause einach wahnsinnig viel von A nach B gelaufen oder Fahrrad gefahren. Mal sehen, wir  haben einen sehr schönen, grossen Park in der Nähe, der ist jeden morgen von 6.00-8-00 für Jogger geöffnet. Ich bin mir aber noch nicht ganz sicher ob ich genug Disziplin habe, so früh auf zustehen, da ich eigentlich jeden Abend Programm habe und man ja irgendwann  auch mal schlafen muss..Naja so  muss die jetztige Bewegung und meine Bein-Rücken-Bauchübungen am morgen wahrschienlich vorerst ausreichen ;) Damit Johanna, Adrian und ich uns nicht ganz von dem brasilianischen Essen absetzen, gehen wir einmal die Woche zu einem unseren 3 Strassenrestaurants um die Ecke. Dort bekommt man für 6 Reais (ca, 2, 40 Euro) eine menge Reis, Bohnen und Frango ( Hünchenfleisch).Oder ich besuche meine Gastfamlie. Meine letzten Wochenenden bestanden grösstenteils aus Reisen, Unternehmungen  in Belem und ein bisschen Arbeit.   Ich habe 2 weitere Reisen zu Inseln Amazoniens (jeweils ein ganzes Wochenende) gemacht. In der Kombi mit Adrian und Steffi oder Johanna und Adrian. Und ich muss sagen: WOW. Ich bin beeindruckt von den Wäldern und Flüssen, die einem schon wie ein Meer vorkommen weil sie so gross und wellig sind. Wir haben jeweils in Häusern von Gemeindegliedern gewohnt, so waren die Reisen auch sehr preisgünstig. Mitten in der der Natur. Ich werde jetzt nicht so viel darüber schreiben, am besten ihr seht euch die Fotos auf meiner Homepage an, dann bekommt ihr ein besseren Eindruck, wo meine Kurztripps hingingen. Letzten Wochenende habe ich mit Adrian, Steffi und einem Brasilianer einen Tagestripp nach Cotijuba (auch eine naheliegende  Insel) gemacht. Man fährt von hier 2 Stunden mit dem Tuckerschiff  dort hin, dann geht es eine halbe Stunden in einem Wagen gezogen von einem Trecker (Cotijuba hat keine Autos) zum Strand. Da kein Feiertag war, war der Strand relativ leer und wir haben es genossen eine  Strandspaziergang zu machen bis die Wellen kamen. Endlich.Es waren Wellen , wie ich sie aus Frankreich an der Atlantiikküste kenne, Wuuumms und weg bist du gespült  =) Letzten Sonntag war dann eine mega grosse Gay-Parade in der Stadt. So viele hübsche Männer auf einem Platz und alle schwul, eine Sünde ;) Aber ja.. Dort haben wir brasiliansiche Freunde von Johanna getroffen und  in der Menschenmenge mit ohrenbetäubender lauter Musik und 1000senden tollen Körpern,  gefeiert und viel getanzt. Ich habe es total genossen, da so viele junge Menschen in Feierlaune an einem Ort waren und ich mich das erste mal so richtig „Mittendrin“ gefühlt habe und nicht als Zuschauer. Am Montagmorgen musste ich dann feststellen, dass ich und mein Körper es wirklich nicht mehr so gewöhnt waren Alkohol zu trinken (wer hätte das gedacht;) ). Die Brasilianer hatten mir ständig ein Bier nach dem nächsten in die Hand gedrückt. Doch nach einer kalten (hier gibt es eh nur kaltes Wasser) und meinem Müsli-Frühstück, ging es erfrischt an die Arbeit.  Ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass ich nun, wo ich schon mal in Brasilien bin, die Lateinamerikansichen-Tänze in der Tanzschule lerne. Die Grundrhytmen/Schritte von Forro, Samba,Cha-Cha-Cha und Salsa sind jetzt langsam verfestigt und meine Hemmung mich führen zu lassen ( sich praktisch dem Mann hin zu geben) schwellt auch ab. Die Leute aus meiner Tanzschule sind echt toll und herzig. Sie sind total offen und interessiert an mir. Mir gefällt der Mix aus Jung und Alt, wobei  die Anzahl der Jungen überwiegt.  Dort, aber auch sonst inder Kirche, ist es wirklich sehr normal , dass man sich viel Umarmt, berührt, küsst und die Hand hält. Es ist für mich ein bisschen schwierig dieses Verhalten zu beschreiben,sodass es nicht falsch rüber kommt. Es ist nicht so, alle ständig mit einander rum machen, sonder eher mehr Körperkontakt, mehr Zuneigung.  Aber ich mag das. Man legt auf jeden Falls das denken ab, das jede Berührng eine Bedeutung hat. So bekommt man machnmal zur Begrüssung eine Umarmung und ein Kuss auf den Kopf, Letzteres gehört für mich Deutschland zu einer Gest, die sehr vertraut und meist nur zwischen Partnern existiert. Manchmal nach dem Tanzen setzen Johanna und ich uns noch in dem Park der gegenüber von unserer Tanzschule ist . Dort gibt es Stände mit „Coco Gelade“ (eine gekühlte Kokusnuss, in der oben ein Loch rein geschnitten wird und man dann das kalte Kokusnusswasser mit einem Strohhalm trinken kann. Nach belieben, kann man sich die Kokunuss danach öffnen lassen und das Fleich essen. ) Total lecker, nahrhaft und gesund. Dazu gib es dann Fernsehen ( etwas, das wir nur auf der Strasse machen können, wir leben in der WG ohne einen Fernseher), irgendwelche schlechten Soaps (wirklich noch schlechter als in Deutschland) oder Fuassball.

Noch ein bisschen über Brasilien und den Alltag: Brasilien hat wirklich ein ernstahftes Kleingeldproblem.  Bevor man in kleine Läden oder Busse steigt, muss man vorher wirklich immer sicher sein, dass  man auch genug Kleingeld dabei hat. So gut wie kein kleiner Laden kann einen 50 Reaisschein wechseln. Und selbst „Nazare“ (unser Supermarkt um die Ecke) hat damit manchmal Probleme. Die Ironie ist, dass die Bankautomaten nur 50 Reaisscheine ausspucken.  Das Elend der Strassenhunde hat mich in dem letzten Monat zwei mal ziemlich berührt. Ein Mittwoch nach dem Icui haben ich aus dem Bus ein grosses, hell-braunes Haufen „Etwas“ gesehen. Beim Näher-heran- Fahren musste ich feststellen, dass es ein riesen Hund war der tot auf einem Sandplatz lag und grade von den Geiern verspeist wurde. Ein ander mal war ich mit Johanna am „Ver-o-peso“ (täglicher Markt am Hafen), dort liefen zwei Hunde, die doch sehr verschienden von ihrer Grösse und Farbe ausssahen, ziemlich dicht und komisch nebeneinander her. Sie hatte beide 4 Beine, doch waren sie am Hinterteil zusammen gewachsen. Irgendwie ist Belem wirklich eine Stadt die alles hat, das Fischerleben, Betler,Prostitution, mega viele Essensstände auf den Strassen, sehr, sehr viele arme Barrios und dann doch Orte,  wo man glauben könnte sie wären in Europa.  Hier lebt eben Arm und Reich Dicht an Dicht. Adrian hat mir einmal erzählt, dass Brasilien eines der Länder auf der Welt ist, in dem die Schere zwischen Arm und Reich am grössten ist, das kann ich aus meiner Sicht, so wie ich Belem kennen gelernt ahbe, wirklich bestätigen.  Hier fahren von“super-hypernauter“ Jeeps über Käfer bis Pferde mit Karren alles auf der Strasse. Viele Leute haben auf ihrer Hinterscheibe des Autos  „Deus e super“ (Gott ist toll) oder andere „Gottes-Sprüche“ . Auch wenn es hier sehr verschiedene Religionen und Sekten gibt, gilt insgesamt, dass der Glaube sehr wichtig ist für die Menschen.  Apropro Autos: Manchmal  kann eine 4-köpfige Familie oder  Eltern mit einem Säugling auf dem Arm auf dem Motorrad durch die Strasse fahren sehen.. gefährlich? Manchmal denke ich, die Brasiliander kennen diesen Begriff bezogen auf ihren Strassenverkehr nicht. Eher normal.

Zum Schluss.. meine Sprachkenntnisse  sind nun so, dass ich im Alltag fast alles verstehe. Ich kann mich Unterhalten und den Kindern sagen was ich von ihnen will. Doch ich muss sagen, wenn die Kinder mit mir reden verstehe ich meist nur sehr wenig,  die reden so schnell auf einen ein.. Ansonsten kann ich jetzt schon so viel reden und habe mich so weit  eingelebt, dass sich langsam Kontakte ausserhalb der Gemeinde aufbaue. Doch was ich merkwürdig finde ist, dass ich fast nur Brasiliner kennenlerne, die entweder +23 oder Jünger sind als ich. Aber gut, ich bin gespannt was noch kommt.  Deshalb freue ich mich auch besonders auf die Rückkehr der Reisegruppe von IACA. In der Gruppe sind einige genau in meinem Alter. Bis Anfang August, eigentlich mein Leben lang,  hatte ich ständig Gleichaltrige um mich herum. Da in Belem keine anderen Frewilligen sind, gibt es schon manchmal Momente, in denen ich es ein bisschen vermisse, einfach mal ein Abend mit deutschen Gleichaltrigen Zeit zu verbringen, um aus zugehen, wie  zu Hause, oder nur ein bisschen „rum zublödeln“. Aber jaa, ich bin ja hier um etwas neues Kennen zulernen und  es braucht einfach ein wenig Zeit um sich nicht nur ein zuleben und wohl zufühlen, sondern wirklich „mitten drin“ zu sein.  Ich sehe der  Zukunft jedoch positiv entgegen..=) Und gestern war ich das erste mal brasiliansich Tanzen mit Johanna und ihrer Freundin aus Sao Paulo die nun für 10 Tage bei uns Urlaub macht. Es war wirklich komplett anders als ich in Deutschland feiern gehen würde, aber mir hat es gefallen. Gegen 00.00 sind wir in der Diskothek angkommen . Wir haben dort Freunde von Johanna getroffen , die dann die ganze Nacht mit uns getanzt haben. Ja, eine Disko wo nur Techno-Brega, Forro und so etwas läuft. Es wird ausschliesslich nur zusammen getanzt. Ein sehr guter Tänzer hat sehr, sehr viel mit mir getanzt und so war die Nacht auch für mich  sehr tanzreich. Und ja, dort wird wirklich so  getanzt wie man sich das von Brasilanern vorstellst. Die Füsse muss man mega schnell bewegen, viele Drehungen und sehr, sehr viel Körperkontakt , wobei die Hüften sich eigentlich ständig kreise müssen. Wirklich wow. So genug da von.

Was kommt?  Jetzt haben wir schon Samstag (habe ein paar Tage für meinen Bericht gebraucht), Rebeca eine Theologie-Studentin ( 22, jaaa unter 23 Jahre ;) )ist Donnerstag angekommen und wird 6 Monate in der Paroquia arbeiten. Bis Adrian im Dezember wieder in die Schweiz geht, wohnt sie in einer Familie, danach zieht sie zu uns in die WG. Wir haben sie vom Flughafen abgeholt und sie machte auf mich einen sehr sympathischen Eindruck, sodass unsere WG wohl weiterhin bis März so entspannt bleibt (ich habe mir nämlich schon Gedanken gemacht, 3 Frauen..aiaiai).  Nächste Woch ist mein Geburtstag. Dieses mal passt mein Datum ganz  gut 10.10. (10+10=20 Jahre) Ich werde am Freitag mit ein paar Leuten und Chaipirina, den ich hier im Norden wirklich erst 2 mal getrunken habe, reinfeiern und danach tanzen gehen. Am Samstag kommt dann meine Gastfamilie und Leute aus der Paroquia, die ich mit Nudeln und Bolognese bekochen werden. Am 11.10 ist dann Cirio (1,5, Mio Katholiken wandern von der einen katholischen Kirche zu andern und zurück. Mittendrin eine Figur der Heiligen Maria), da wird Belem auf dem Kopf stehen. Es kommen wohl sehr viele Touristen aus ganz Brasilien zu diesem Anlass. Samstagnacht ist dann eine Mega-Feier am Praca de Republica und Sonntag der Marsch, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Ein MUSS  ist es, dort ein Cirio-T-shirt zu tragen, welches man momantan an jeder Strassenecke kaufen kann. Dank dem Cirio ist der 12.10 ein Feiertag, den wir wahrscheinlich für eine Tagestour an den Strand nutzen werden. Dann wird Steffanie (die Praktikantin)bald wieder nach Deutschland fliegen. Ich habe die Zeit mit ihr sehr genossen,  da sie etwa zur gleichen Zeit in Belem angekommen ist und wir uns gut verstehen.  Ende Oktobetr wird das grosse „Rückkehr-Fest“ für Iaca sein, für das jetzt schon die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen.

 

Dann ist jetzt endgültig Schluss.

Für die jenigen  die SKYPE haben, man findet mich unter dem Namen: AnnikaBrasil09.

 

Muitos Abracos para voces

Annika  =)